-- Wiebbys Zeit in Kambodscha --
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Ein paar Basic-Infos über das Land:

Offizieller Staatsname

Königreich Kambodscha.

Lage

Südostasien.

Fläche

181.035 qkm.

Bevölkerungszahl

15.017.110 (2006).

Bevölkerungsdichte

83 pro qkm.

Hauptstadt

Phnom Penh. Einwohner: 1.673.130 (2006).

Geographie

Kambodscha grenzt im Norden an Laos und Thailand, im Osten an Vietnam und im Südwesten an den Golf von Thailand. Das Land besteht zu ca. 75% aus tropischem Regenwald; die fruchtbaren Ebenen werden von zahlreichen Flüssen durchzogen. Im Nordosten liegen mehrere Hochplateaus. Die Hauptstadt liegt am Zusammenfluss des Mekong und des Tonlé. Der Tonlé wird vom Tonlé Sap gespeist, einem großen See in der Landesmitte. Der Südwestküste sind zahlreiche Inseln vorgelagert.

Staatsform

Parlamentarische Monarchie, seit 1993. Verfassung von 1993. Parlament (Nationalversammlung) mit 123 Mitgliedern. Unabhängig von Frankreich seit 1953.

Regierungschef

Samdech Hun Sen, seit 1998.

Staatsoberhaupt

Samdech Sihamoni, seit 2004.

Sprache

Amtssprache ist Khmer und wird von 95 % der Bevölkerung gesprochen. Französisch ist Handels- und Bildungssprache. Chinesisch und Vietnamesisch werden ebenfalls gesprochen. Die jüngere Generation spricht häufig auch Englisch.

Religion

Buddhismus (95 %) ist Staatsreligion; islamische und christliche Minderheiten.

Ortszeit

MEZ + 6.
Keine Sommer-/Winterzeitumstellung in Kambodscha.
Differenz zu Mitteleuropa beträgt im Winter +6 Std. und im Sommer +5 Std.
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Jetzt folgt noch ein Text über die Geschichte des Landes, die ich für sehr wichtig halte...
Quelle: Text: F.A.Z., 16.04.2005, Nr. 88 / Seite 37

16. April 2005: Am Sonntag vor dreißig Jahren schlug die Geschichte des „Neuen Menschen“ ihr vielleicht grausigstes und zugleich rätselhaftestes Kapitel auf.

Noch an eben dem 17. April 1975, als die jugendlichen „Roten Khmer“ Phnom Penh einnahmen, forderten sie die drei Millionen Einwohner leise, aber nachdrücklich auf, die Stadt zu verlassen; ein amerikanischer Bombenangriff sei zu erwarten. Auf dem Land angekommen, mußten die Funktionsträger des abgesetzten, von Amerika unterstützten Lon-Nol-Regimes ausführliche Fragebogen ausfüllen; danach wurden sie liquidiert.

Jeder vierte verlor sein Leben

Das gleiche Schicksal ereilte 85 Prozent der Akademiker und 96.000 von hunderttausend buddhistischen Mönchen, danach auch viele Vietnamesen und Chinesen, die noch im Land waren. Schließlich wurden die Revolutionstruppen selbst von „feindlichen Agenten“ gesäubert.

Insgesamt verlor jeder vierte Kambodschaner durch die bis 1979 andauernde Schreckensherrschaft sein Leben; man schätzt die Zahl der Toten heute auf 1,7 Millionen - wenn sie nicht direkt ermordet wurden, sind sie an Hunger oder an nicht behandelten Epidemien gestorben. Im zur Geisterstadt gewordenen Phnom Penh wurden die Tempel, die Kathedrale und die Zentralbank in die Luft gesprengt; Augenzeugen berichteten, wie ein Regen aus Banknoten auf die leeren Straßen niederging. Ebenso wie das Geld wurden die Geschäfte, die Schulen und die Krankenhäuser abgeschafft.

Unheimliche Lautlosigkeit

All das muß, wenigstens zu Beginn, mit einer unheimlichen Ruhe und Lautlosigkeit vonstatten gegangen sein. Die Bevölkerung sah sich einer anonymen Macht ausgesetzt, von der zunächst nur der Name Angka, „die Organisation“, bekannt war. Erst im Januar 1976, als die Umbenennung des Landes in „Demokratisches Kampuchea“ verkündet wurde, gab die Regierung auch die Namen ihrer Mitglieder bekannt.

An der Spitze stand ein Mann namens Pol Pot, von dem zuvor niemand etwas gehört hatte. Dieser Mann trat nicht in der Öffentlichkeit auf; es gab auch keine Propagandaplakate von ihm. Er ließ sich „Bruder Nummer Eins“ nennen. Erst im September 1977 bestätigte sich bei einem Staatsbesuch in Peking die Vermutung, bei Pol Pot handele es sich um Saloth Sar, der in Paris erfolglos Radiotechnik studiert hatte und im Untergrund dann zielstrebig die Spitze der Kommunistischen Partei Kambodschas eroberte.

Ohne Untersuchung verbrannt

Doch auch solchermaßen identifiziert, blieb alles an ihm ungewiß, von seinem Geburtsdatum 1925 bis zu seinem Tod, der am 15. April 1998 durch Herzversagen eingetreten sein soll; da die Leiche ohne Untersuchung zwei Tage später verbrannt wurde, blieben Zweifel an deren Identität und daran, ob nicht Gift die Todesursache war. Kaum ein Ausländer hat Pol Pot je gesehen, und die, denen es gelang, waren beeindruckt von der Feinheit seiner Manieren und Gesichtszüge. Die amerikanische Journalistin Elizabeth Becker, die ihn 1978 traf, beschrieb seine Finger und deren „leichten, eleganten Gesten, die an die Skulpturen von Angkor Wat erinnern“.

Die Undurchdringlichkeit hatte gewiß taktische Gründe. International war es für die Roten Khmer opportun, sich nicht zu laut als Kommunisten zu bekennen, und tatsächlich ging ihre Rechnung auf: Sie wurden nicht nur von China, sondern später auch von Amerika und den Vereinten Nationen als Bollwerk gegen Vietnam und damit gegen die Sowjetunion unterstützt.

Ein Tribunal mit nur zwei Angeklagten

Inzwischen ist die ungeheuerliche Zeit gut dokumentiert, vor allem durch die Interviews Ben Kiernans vom Yale Genocide Project und die Recherchen des Pol Pot-Biographen David Chandler, deren Bücher leider nicht ins Deutsche übersetzt sind. Im Oktober vergangenen Jahres konnten sich die Vereinten Nationen und Kambodscha endlich auch auf die Modalitäten eines „Khmer-Rouge-Tribunals“ einigen; angeklagt sind bisher allerdings nur zwei Mitglieder des Regimes, und an der Unbestechlichkeit des Prozesses gibt es erhebliche Zweifel.

Schon früh war die fatale Melange aus Abstraktion und Verwahrlosung erkannt worden. Auf der einen Seite wurden Berge von Aktenpapier angehäuft, um die erpreßten Schuldeingeständnisse der Opfer zu dokumentieren. Auf der anderen Seite wurden die Morde selbst oft auf die denkbar archaischste Weise ausgeführt; bald schlugen die Henker, um Munition zu sparen, ihre Opfer mit dem Spaten tot oder gruben sie lebendig ein.

Die Schuld des Westens

An beidem, an der tödlichen Abstraktion wie an der Rückführung auf einen durch keine Institution oder Sitte gemilderten Urzustand, hatte der Westen seinen Anteil. Die nationalistischen und kommunistischen Vorstellungen von autarker Subsistenzwirtschaft und der Reinheit des ländlichen Lebens, die bei den Morden Pate standen, hatten ihre Ursprünge unzweifelhaft auch in europäischen Seminaren. Und die menschliche Zerrüttung des Landes hatte schon mit den amerikanischen Bombardements eingesetzt, die die nordvietnamesischen Nachschubwege abschneiden sollten und dabei rund hunderttausend Bauern töteten.

Doch die Analysen einzelner Elemente können das Rätsel des entfesselten „Neuen Menschen“ nicht vollends lösen, der da am Ende nur durch die Eroberung durch vietnamesische Truppen aufgehalten wurde. „Schauen Sie mich an“, forderte Pol Pot 1997 den Journalisten Nate Thayer auf, der ihn interviewte: „Bin ich ein Wilder?“ Es war nichts zu sehen, so wie auch sonst nichts zu sehen ist, wenn man dem „Neuen Menschen“ ins Antlitz blicken will. Daß es auf seinem Grund absolut leer ist: Das macht ja vielleicht den tiefsten Schrecken dieses fiktiven, vorerst historisch gewordenen Wesens aus.




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